Wechseljahren bei Männern - gibt es die?
Wechseljahre bei Männern – gibt es die?

Was wirklich passiert – und was das mit der Haut zu tun hat
Es ist eine Frage, die ich in letzter Zeit immer häufiger höre – und die mich als Derma-Hormon-Expertin genauso beschäftigt wie das große Thema Frauenhaut in den Wechseljahren:
Gibt es Wechseljahre eigentlich auch bei Männern?
Die ehrliche Antwort lautet: ja und nein. Und genau diese Differenzierung lohnt sich – weil sie zeigt, wie unterschiedlich der männliche und weibliche Körper auf denselben Prozess des Alterns reagieren. Und weil so viele Männer mit Veränderungen leben, die sie nie mit ihrem Hormonsystem in Verbindung gebracht haben.
Was wissenschaftlich wirklich passiert
Bei Frauen ist die Sache relativ klar: Der Östrogenspiegel bricht in einem verhältnismäßig kurzen Zeitraum markant ein. Das ist ein biologischer Wendepunkt – mit definierten Symptomen, einer messbaren Zäsur, einem vorher und nachher.
Bei Männern funktioniert das anders. Ab etwa dem 40. Lebensjahr sinkt der Testosteronspiegel um durchschnittlich ein bis zwei Prozent pro Jahr. Das klingt zunächst wenig – aber über zwanzig Jahre summiert sich das zu einem erheblichen Unterschied. Und: Es ist kein linearer Prozess, sondern individuell höchst verschieden.
Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie hält den Begriff „Wechseljahre des Mannes“ daher medizinisch für ungenau. Der korrektere Begriff lautet PADAM – partielles Androgendefizit des alternden Mannes. „Partiell“, weil die Hormonproduktion nicht vollständig sistiert, sondern schleichend nachlässt. Und „Androgen“, weil neben Testosteron auch andere männliche Sexualhormone wie DHEA betroffen sind.
Wichtig: Nicht jeder Mann ist gleich betroffen. Manche Siebzigjährige haben noch Werte im Normbereich. Andere spüren bereits mit Mitte fünfzig deutliche Veränderungen. Studien schätzen, dass rund jeder zehnte Mann spürbare Symptome entwickelt.
„Was Frauen in wenigen Jahren als einschneidende Veränderung erleben, schleicht sich beim Mann über Jahrzehnte an. Genau das macht es so schwer zu erkennen.“
Warum es so lange unerkannt bleibt
Das ist die eigentliche Herausforderung beim männlichen Hormonwandel: Er tarnt sich. Was Testosteronmangel verursacht, sieht aus wie normales Älterwerden – und wird auch so behandelt. Oder gar nicht.
Die typischen Zeichen:
→ Anhaltende Müdigkeit – die sich nicht durch Schlaf erklären lässt
→ Nachlassende Libido – oft still übergangen, selten angesprochen
→ Muskelabbau und längere Regenerationszeiten – Sport fühlt sich schwerer an, Aufbau geht langsamer
→ Bauchfett, das sich trotz gleicher Gewohnheiten aufbaut – Testosteron steuert die Fettverteilung
→ Stimmungstiefs, Reizbarkeit, innere Leere – Testosteron beeinflusst Dopamin und Antrieb direkt
→ Veränderungen der Haut – matter, weniger straff, fahler Teint
→ Schlafstörungen – ein- oder durchschlafen wird schwieriger
→ Gelenk- und Knochenbeschwerden – ähnlich wie bei Frauen: Testosteron schützt auch Knorpel und Knochen
Hinzu kommt, dass verschiedene äußere Faktoren den Testosteronabfall beschleunigen können: Chronischer Stress erhöht Cortisol – und Cortisol hemmt die Testosteronproduktion. Schlafmangel, Übergewicht, Alkohol, Bewegungsmangel – all das wirkt ergänzend in dieselbe Richtung. Ein Kreislauf, der sich still zuzieht.
Was das mit der Haut zu tun hat
Als Hautmentorin und Derma-Hormon-Expertin interessiert mich besonders dieser Aspekt, der selten erwähnt wird: Testosteron beeinflusst die Haut des Mannes direkt.
Männer haben von Natur aus eine dickere Haut als Frauen – bedingt durch den höheren Testosteronspiegel, der Kollagenproduktion und Hauttextur beeinflusst. Das ist auch der Grund, warum Männer oft später sichtbar altern. Aber wenn Testosteron zurückgeht, verändert sich auch das:
• Die Haut verliert an Festigkeit und Dichte
• Die Regenerationsgeschwindigkeit sinkt – die Haut erholt sich langsamer
• Der Teint wirkt fahler, matter, weniger vital
• Trockene Stellen oder Empfindlichkeiten, die früher nicht da waren, können auftreten
• Haarverlust am Kopf kann sich verstärken
In meinem Institut erlebe ich das regelmäßig: Männer kommen mit einer Haut, die sich verändert hat – müder, weniger straff, ungleichmäßiger. Und niemand hat ihnen je erklärt, dass das auch hormonelle Ursachen haben kann.
Was wirklich hilft – eine ehrliche Einschätzung
Zunächst das Wichtigste: Wer ab 40 das Gefühl hat, dass sich etwas verändert – Energie, Stimmung, Körperzusammensetzung, Haut – sollte den Hormonstatus überprüfen lassen. Ein Bluttest beim Hausarzt oder Urologen gibt Aufschluss über den Testosteronspiegel. Das ist der erste und wichtigste Schritt.
Was ergänzend und ohne Arztbesuch bereits viel bewirkt:
- Krafttraining – nicht optional, sondern essenziell
Schon zwei Einheiten pro Woche können den Testosteronspiegel spürbar unterstützen und den Muskelabbau deutlich verlangsamen. Wer sein Leben lang Ausdauersport gemacht hat, muss hier umdenken: Widerstandstraining ist der entscheidende Hebel.
- Schlaf als Hormonschutz
Der größte Teil der Testosteronproduktion beim Mann findet nachts statt. Wer chronisch schlecht oder zu kurz schläft, beschleunigt den Abfall. Schlafhygiene ist Hormonstrategie.
- Stress ernst nehmen
Chronisch erhöhtes Cortisol ist einer der stärksten Testosteron-Hemmer. Wer Stress als selbstverständlich akzeptiert, bezahlt hormonell dafür – oft mit Körper und Haut.
- Hautpflege, die zur veränderten Hormonlage passt
Nein, das ist keine Frage der Eitelkeit. Kollagenunterstützende Wirkstoffe, Barrierepflege, Mikrozirkulationsförderung – das sind dieselben Ansätze wie bei Frauen in den Wechseljahren, nur angepasst auf männliche Hautstruktur. In meiner Praxis berate und behandle ich auch Männer – mit professionellen Produkten, die ausschließlich über meine Praxis erhältlich sind, und Behandlungen, die dort ansetzen, wo die Veränderungen beginnen.
Ein Gedanke zum Schluss – für Paare
Viele Frauen, die gerade ihre eigenen Wechseljahre durchleben, erleben gleichzeitig, dass sich ihr Partner verändert. Weniger Energie, andere Stimmung, ein Körper, der nicht mehr so funktioniert wie früher. Und niemand spricht darüber – weil die gesellschaftliche Sprache dafür fehlt.
Was ich mir wünsche: Dass Hormongesundheit aufhört, ein Frauenthema zu sein. Dass Männer die gleiche Erlaubnis bekommen, hinzuschauen und zu fragen. Und dass Paare, die gemeinsam in diese Lebensphase kommen, auch gemeinsam Orientierung finden können.
„Hormongesundheit ist kein Frauenthema. Sie ist ein Menschenthema.“
Wenn Sie sich in diesem Artikel erkennen – oder ihn an jemanden weiterschicken möchten, dem er nützen könnte: tu es.
Ich bin für Fragen da – für Frauen, für Männer, für alle, die verstehen wollen, was in ihrem Körper passiert.
Herzlich,
Petra Schreiber
Hautmentorin & Derma-Hormon-Expertin
Neroli Cosmetics - Informationen und Wissenswertes









